Die Nachtigall des Zaren

Das Leben des Kastraten Filippo Balatri
4. & 5. Sept. 2021 jeweils 17 Uhr

Leibeunuch Peter des Grossen, singendes Gastgeschenk für den Chan der Kalmücken, Alleinunterhalter in den Adelshäusern Europas und schliesslich Klosterbruder in einem bayrischen Konvent.

Filippo Balatri / Christine Wunnicke (deutsche Fassung)
Corinna Harfouch Lesung
Hubert Wild Countertenor
Stefan Maass Theorbe

Die Geschichte von Filippo Balatri hat drei Anfänge.

Der erste ist einfach: Am 21.Februar 1682 bekommen die Eheleute Balatri in Pisa einen Sohn.

Der zweite Anfang ist weniger genau zu datieren und nicht ganz so alltäglich, obwohl auch dies durchaus den Sitten der Zeit entspricht: Der Ministrant Filippo, ungefähr elf Jahre alt und bekannt für seinen hübschen Sopran, wird in der Praxis eines Luccheser Wundarztes gebracht, der seine Hoden amputiert. Damit sind die Weichen für sein Leben gestellt. Filippo weiß jetzt, er muss ein guter Sänger werden; es gibt für einen Eunuchen keinen anderen ehrbaren Broterwerb.

Der dritte Anfang spielt in München. Dort greift Filippo Balatri 1725 zur Feder und macht sich an die Arbeit.Er hat eine schöne Schrift, gut zu lesen, unverkennbar der kühle Schwung des geübten Notenkopisten. Jahrzehntelang hat er Tagebuch geführt, nun schreibt er seine Erlebnisse ins Reine. „Spuckt mir ins Gesicht“, schreibt er,“wenn ich nicht die Wahrheit sage!“ Filippo geht ins Detail. Seine Lebensgeschichte füllt insgesamt fast fünftausend handschriftliche Seiten.

Stefan Maass Theorbe, Corinna Harfouch Lesung. Hubert Wild Countertenor

Stefan Maass

1960 in Berlin geboren, studierte Stefan Maass von 1980 bis 1984 klassische Gitarre an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. 1988 erhielt er ein Stipendium des Deutschen Musikrates und absolvierte bis 1993 ein Lautenstudium bei Prof. Konrad Junghänel an der Rheinischen Musikhochschule Köln. Er hat sich auf die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert – solistisch und im Continuospiel. Stefan Maass lebt seit 1989 auf Schloss Batzdorf und hat die dort beheimatete Batzdorfer Hofkapelle mitgegründet. Er ist Preisträger der Arras Stiftung für Kunst und Kultur in Dresden.

Hubert Wild

Hubert Wild wurde in Karlsruhe geboren. Er studierte zunächst Violine und Klavier, dann auch Gesang bei Rudolf Bautz in Aachen und Dietrich Fischer-Dieskau in Berlin. Erste Engagements führten ihn u. a. an die Theater Aachen, ans Aalto Theater Essen, die Theater Stralsund/Greifswald, Heidelberg, an das Opernhaus Bremen, die Oper in Luzern, das Staatstheater Karlsruhe u.v.a., bevor er 2009-2013 festes Ensemblemitglied des Landestheaters Salzburg wurde. Er arbeitete an zahlreichen europäischen Theatern und Opernhäusern wie der Berliner Staatsoper oder dem Opernhaus Zürich, und trat bei zahlreichen renommierten Festivals (Luzern Festival, Ruhrtriennale, Berliner Festspiele, Richard-Strauss-Festival Garmisch, Cantiere Internazionale d’arte Montepulciano u.a.) sowie in Konzerthäusern in ganz Europa auf.
Er gewann Preise u. a. beim Internationalen Gesangswettbewerb «Toti dal Monte» in Treviso/Italien, beim Internationalen Gesangswettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg und beim 13. Internationalen Robert Schumann Wettbewerb in Zwickau.
Hubert Wild ist als Bariton ebenso gefragt wie als Countertenor, in modernen und klassischen Musiktheaterwerken ebenso wie als Solist in Oratorien oder als Liedinterpret. Seit seiner ersten Zusammenarbeit mit Herbert Fritsch am Theater Bremen als Falsacappa in Offenbachs «Banditen» wirkt er auch regelmäßig in Schauspielproduktionen mit, u. a. am Schauspielhaus Zürich, dem Burgtheater Wien, dem Schauspielhaus Hamburg, an der Schaubühne und Volksbühne in Berlin sowie am Schauspiel Leipzig. Dort gab er im Juni sein sehr erfolgreiches Regie Debüt mit dem Musiktheaterstück „Lazarus“ von David Bowie.

Corinna Harfouch

Corinna Harfouch gehört zu den wichtigsten Bühnen- und Filmdarstellerinnen Deutschlands. Die in Suhl geborene Schauspielerin absolvierte ihre Ausbildung an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst ›Ernst Busch‹. Nach ihrer Ausbildung ist sie auf allen wichtigen Bühnen zu sehen. Für ihre Theaterarbeit wurde Corinna Harfouch mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt u. a. 1997 den Gertrud-Eysoldt-Ring für herausragende schauspielerische Leistungen und wurde im selben Jahr für ihre Rolle des General Harras in ›Des Teufels General‹, Regie Frank Castorf, von der Zeitschrift ›Theater heute‹ zur ›Schauspielerin des Jahres‹ gekürt.
Seit ihrem Debüt vor der Filmkamera hat sie in mehr als 80 Film- und Kinoproduktionen mitgewirkt. Zu ihren bedeutendsten Filmen gehören: ›Das Versprechen‹ (1995) von Margarethe von Trotta, ›Sexy Sadie‹ (1996) von Matthias Glasner, ›Das Mambospiel‹ (1996) von Michael Gwisdek, ›Knockin‘ on Heaven’s Door‹ (1997) von Thomas Jahn, ›Der große Bagarozy‹ (1999) von Bernd Eichinger, ›Irren ist männlich‹ (1996) von Sherry Hormann, ›Gefährliche Freundin‹ (1996) von Hermine Huntgeburth, ›Fandango‹ (2000) von Matthias Glasner, ›Vera Brühne‹ (2001) von Hark Bohm, ›Bibi Blocksberg‹ (2002), ›Blond: Eva Blond!‹ (2002), ›Der Untergang‹ (2004) von Oliver Hirschbiegel, ›Whisky mit Wodka‹ (2008) von Andreas Dresen, ›Im Winter ein Jahr‹ (2008) Caroline Link, ›This is Love‹ (2009) von Mathias Glasner, ›Giulias Verschwinden‹ (2010) von Christoph Schaub, ›Finsterworld‹ (2013) von Frauke Finserwalder, ›Der Fall Bruckner‹ (2014) von Urs Egger, ›Viel zu nah‹ (2016) von Petra K. Wagner und ›Lara‹ (2017) von Jan Ole Gerster.
Auch für ihre Filmarbeiten wurde Corinna Harfouch mit vielen Preisen geehrt, darunter der Bayrische Filmpreis, der Adolf-Grimme-Preis, der Deutsche Fernsehpreis, der Deutsche Schauspielpreis, der Günter Rohrbach Filmpreis und der Hessische Filmpreis.

Veranstaltungsort: Schloß Batzdorf
Kartenverkauf & Veranstalter: Festival Sandstein und Musik

Infos folgen.

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